Genossenschaftliches Wohnen im Wandel – Warum Kommunikation und Digitalisierung an Bedeutung gewinnen
Baugenossenschaften verändern sich. Nicht, weil ihre bestehenden Mitglieder gehen, sondern weil neue hinzukommen. Der angespannte Wohnungsmarkt in Deutschland macht genossenschaftliches Wohnen für Zielgruppen attraktiv, die vor zehn Jahren kaum an die Tür einer Genossenschaft geklopft hätten: junge Familien, die auf dem freien Markt keine bezahlbare Wohnung finden. Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, die Sicherheit und Gemeinschaft suchen. Fachkräfte, die in eine neue Stadt ziehen und sofort ein verlässliches Zuhause brauchen. Gleichzeitig wächst die kulturelle Vielfalt in vielen Genossenschaften. Mitglieder aus zahlreichen Nationen zu erreichen und einzubinden, war lange eine kaum lösbare Aufgabe. Diese neuen Mitglieder bringen andere Erwartungen mit: an digitale Services, an Transparenz, an Teilhabe. Zusammen mit den langjährigen Mitgliedern, die ihre Genossenschaft seit Jahrzehnten als verlässliche Heimat erleben, entsteht eine Gemeinschaft, die vielfältiger ist als je zuvor. Sie alle leben unter einem genossenschaftlichen Dach und erwarten, dass ihre Genossenschaft mit ihnen spricht, nicht nur über sie.
Dieser Wandel betrifft nicht nur die Mitgliederschaft. Er verändert auch die Genossenschaften von innen. In vielen Häusern steht ein Generationswechsel in den Vorständen und Aufsichtsräten bevor oder ist bereits im Gange. Langjährige Vorstände, die ihre Genossenschaft über Jahrzehnte geprägt haben, übergeben an eine neue Generation. Die Nachfolger bringen oft andere Vorstellungen mit: von digitaler Verwaltung, von aktiver Mitgliederkommunikation, von der Rolle der Genossenschaft im Quartier. Gleichzeitig stehen viele kleinere und mittlere Genossenschaften vor der Herausforderung, dass die Verwaltung mit wenigen Mitarbeitern ein immer breiteres Aufgabenspektrum abdecken muss. Regulatorische Anforderungen wachsen, der Fachkräftemangel trifft auch die Wohnungswirtschaft, und die Erwartungen der Mitglieder an Erreichbarkeit und Information steigen. Was früher mit einem Rundschreiben und einer Sprechstunde erledigt war, erfordert heute ein durchdachtes Zusammenspiel aus persönlichem Kontakt, gedruckter Kommunikation und digitalen Kanälen.
Auch das Bild der Genossenschaft nach außen wandelt sich. Wo früher klassischer sozialer Wohnungsbau im Vordergrund stand, entstehen heute moderne Quartiere, Mehrgenerationenhäuser und neue Wohnformen, die Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und bezahlbares Wohnen miteinander verbinden. Genossenschaften werden schrittweise zu Gestalterinnen von Lebensräumen. Sie schaffen nicht nur Wohnraum, sondern prägen zunehmend auch das soziale Miteinander in Stadtteilen und Quartieren. Und der Wohnungsmangel in Deutschland rückt genossenschaftliches Wohnen stärker in den öffentlichen Fokus als je zuvor. Diese neue Rolle will kommuniziert werden: gegenüber Mitgliedern, die verstehen sollen, wohin sich ihre Genossenschaft entwickelt. Gegenüber der Politik, die über Bauland und Fördermittel entscheidet. Gegenüber der Öffentlichkeit, die den gesellschaftlichen Beitrag genossenschaftlichen Wohnens oft noch zu wenig kennt.
Die Anforderungen wachsen dabei von mehreren Seiten gleichzeitig. Regulatorische Pflichten.Der Wettbewerb um Fachkräfte erfordert einen zeitgemäßen Auftritt als Arbeitgeber. Und eine Mitgliederschaft, die von der Seniorin mit ihrem gedruckten Magazin bis zum jungen Mitglied mit der App reicht, verlangt nach einer Kommunikation, die niemanden zurücklässt. Für Vorstände, die neben dem Tagesgeschäft auch noch Bauprojekte steuern, Prüfungen vorbereiten und den Kontakt zu Kommunalpolitik und Verbänden pflegen, wird das zu einer Aufgabe, die intern allein kaum noch zu bewältigen ist.
Was all diese Entwicklungen verbindet: Kommunikation und Digitalisierung lassen sich nicht mehr getrennt betrachten. Digitale Werkzeuge machen Kommunikation effizienter und reichweitenstärker. Aber sie entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie verständlich eingeführt und begleitet werden.
Genossenschaften, die beide Disziplinen zusammendenken, können ihre Mitglieder besser erreichen, ihre Prozesse entlasten und ihre Rolle in einer sich verändernden Wohnungswirtschaft sichtbar machen.